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Tempel des Augustus

Tempel des Augustus
In Ulus, dem Herzen Ankaras, inmitten moderner Gebäude und geschäftiger Straßen, erhebt sich ein Bauwerk, das die Zeit stillstehen zu lassen scheint. Es ist nicht bloß ein Steinhaufen, sondern der greifbarste Zeuge einer vielschichtigen Geschichte, die vom Römischen Reich über das Osmanische Reich bis in die heutige Türkei reicht.

Das Haus der Königin der Inschriften: Der Augustustempel in Ankara



Der Augustustempel, gelegen im Stadtteil Hacı Bayram, einer der ältesten Siedlungen Ankaras, ist in der archäologischen Fachliteratur als „Monumentum Ancyranum“ (Denkmal von Ankara) bekannt. Seine Einzigartigkeit verdankt er nicht nur seiner Architektur, sondern auch der riesigen, in seine Mauern eingemeißelten Inschrift, die als eines der wichtigsten politischen Dokumente der Geschichte gilt.

Historische Ursprünge: Ein vergöttlichter Kaiser
Der Tempel wurde zwischen 25 und 20 v. Chr. erbaut, nachdem Galatien eine römische Provinz geworden war. Es wurde von Pilamenes, dem Sohn des galatischen Königs Amyntas, in Auftrag gegeben, als Zeichen der Treue zu Augustus, dem ersten Kaiser Roms, und zur Göttin Roma.

Res Gestae Divi Augusti“: Die weltweit einzige vollständige Abschrift
Das Hauptmerkmal, das den Tempel weltberühmt gemacht hat, ist die **„Res Gestae Divi Augusti“** (Die Taten des göttlichen Augustus), das politische Testament, das Kaiser Augustus vor seinem Tod verfasste und das in seine Wände eingraviert ist.

Obwohl die originalen Bronzetafeln in Rom im Laufe der Zeit verloren gegangen sind, ist der Text in diesem Tempel in Ankara in lateinischer und griechischer Übersetzung nahezu vollständig erhalten geblieben. Aus diesem Grund nannte der berühmte Historiker Theodor Mommsen ihn die „Königin der Inschriften“. Die Inschrift beschreibt detailliert die Schlachten, die Augustus gewann, die Hilfe, die er leistete, und die Bauwerke, die er im gesamten Reich errichten ließ.

Die Verbindung der Glaubensrichtungen: Kirche, Moschee und Tempel
Der Augustustempel ist ein herausragendes Beispiel für Ankaras kulturelle Toleranz und seine vielschichtige Architektur:

Antike:
Ein heidnischer Tempel, der dem römischen Kaiser geweiht war.

Byzantinische Zeit:
Im 6. Jahrhundert wurde er durch den Anbau von Fenstern und einer Apsis in eine christliche Kirche umgewandelt.

Osmanische Zeit:
Im 15. Jahrhundert wurde die Hacı-Bayram-Moschee direkt daneben errichtet. Die Tatsache, dass Moschee und Tempel direkt aneinandergrenzen, ist ein stilles, aber eindrucksvolles Zeugnis für den Respekt des Islam vor dem Erbe vergangener Glaubensrichtungen. Bis zu seiner Entdeckung durch den österreichischen Botschafter Busbecq im 16. Jahrhundert wurde das Gebäude von der lokalen Bevölkerung als Anbau oder Madrasa der Moschee erhalten.
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